Ablauf der Heilpraktikerprüfung

Wer sich einer amtsärztlichen Prüfung stellt, möchte in der Regel darauf vorbereitet sein, was ihn erwartet. Dazu gehört nicht nur, dass man weiß, welche Stoffinhalte abgefragt werden, sondern auch, wie eine solche Prüfung abläuft.


Der Ablauf der schriftlichen Heilpraktikerprüfung


Nach der Anmeldung zur Prüfung kommt irgendwann der mitgeteilte Prüfungstermin, zu dem der Prüfling pünktlich erscheint. Nun ist der erste Prüfungsteil dran: eine schriftliche Klausur bestehend aus 60 Prüfungsfragen. Dabei handelt es sich um 60 Multiple-Choice-Fragen mit bereits vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Entweder ist nur eine Antwort zutreffend, dann handelt es sich um eine Einfachauswahl. Es können auch zwei oder mehrere (auch alle) Antworten richtig sein. Hier spricht man von einer Mehrfachauswahl. Daneben gibt es auch sogenannte Aussagenkombinationen. Hier sind zwei oder mehrere Aussagen richtig. Der Prüfling muss aber nicht jede richtige Antwort auswählen, sondern es sind bereits Aussagenkombinationen vorgegeben, unter denen der Prüfling die richtige auswählen muss. Ein Beispiel soll das verdeutlichen:
Frage: Ein Patient leidet an chronischen Kopfschmerzen. Welche der folgenden Symptome lassen Sie an einen Hirntumor denken?


1)    Persönlichkeitsveränderung
2)    Vorübergehende klonische Zuckungen des linken Beines
3)    Morgendliches Erbrechen
4)    Strömungsgeräusch über der A. carotis rechts
5)    Alterssichtigkeit (Presbyopie)

a)    Nur 2 und 3 sind richtig
b)    Nur 1, 2 und 3 sind richtig
c)    Nur 1, 3 und 5 sind richtig
d)    Nur 1, 4 und 5 sind richtig
e)    Nur 3, 4 und 5 sind richtig


Lösung: B

Um die schriftliche Prüfung zu bestehen, benötigt man mindestens 75% richtige Antworten, d. h. 45 Fragen müssen auf jeden Fall richtig beantwortet sein. Dazu stehen einem zwei Zeitstunden zur Verfügung. Hat man die Anforderungen der schriftlichen Prüfung genügt, bekommt man nach einer angemessenen Korrekturzeit Bescheid und einen Termin für die mündliche Prüfung genannt. In vielen Fällen kann die mündliche Prüfung bereits vier Wochen nach dem Schriftteil stattfinden.


Der Ablauf der mündlichen Heilpraktikerprüfung


Die Prüfungskandidaten – es können mehrere Kandidaten gemeinsam in einer mündlichen Prüfung befragt werden – bekommen vom Team der Prüfer nochmals Vertiefungsfragen gestellt, die diese willkürlich auswählen. Dabei kann aus dem medizinischen und aus dem psychiatrischen Bereich alles vorkommen. Sehr wichtig sind die gesetzlichen Grundlagen zum Infektionsschutzgesetz und zum Gesetz zur Betreuung psychisch Kranker. Dabei werden in der Regel keine Gesetzestexte abgefragt, sondern Anwendungsbeispiele aus der Praxis, zum Beispiel, wie sich ein Heilpraktiker bei einer erkennbaren Suizidgefahr zu verhalten hat. Die mündliche Prüfung dauert erfahrungsgemäß etwa 45 bis 60 Minuten. Das Prüfungsergebnis erfahren die Kandidaten unmittelbar nach einer kurzen Beratungszeit.


Nach bestandener mündlicher Prüfung bekommt der Prüfungskandidat das ersehnte Zertifikat nach dem Heilpraktikergesetz ausgehändigt, das ihn fortan zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung berechtigt. Für den Fall, dass ein Prüfling zwar den Schriftteil bestanden hat, in der mündlichen Prüfung aber durchgefallen ist, muss die komplette Prüfung an einem künftigen Prüfungstermin wiederholt werden. Alleine eine Wiederholung der mündlichen Prüfung ist nicht vorgesehen und die Prüfung muss insgesamt bestanden werden.
Hier noch einmal die formalen Prüfungsstationen im Überblick: