Ablauf der Ausbildung zum Tierheilpraktiker

Im Studienablauf kann man von einer Grobgliederung wie beim Humanheilpraktiker oder dem Heilpraktiker für Psychotherapie ausgehen:


 
In der Feingliederung unterscheidet sich der Studienablauf beim Tierheilpraktiker jedoch stark von den vorgenannten Heilpraktikerformen.


Ablauf des Grundstudiums


Im Grundstudium wird der Studierende an die Grundlagen der Veterinärmedizin herangeführt. Dazu gehören vertiefte Einblicke in die Anatomie und in die Physiologie der einzelnen Tierarten, auf die man sich spezialisieren möchte. Daneben müssen auch Grundlagen der Veterinärpathologie erlernt werden. Bei Tieren handelt es sich um eine spezielle Art von Patienten. Sie können nicht mit ihren Tierärzten oder Tierheilpraktikern sprechen und genau sagen, wo sie Beschwerden haben. Deshalb gehört eine genaue Kenntnis der Sollzustände im tierischen Körper dazu. Anhand klassischer Untersuchungsmethoden wie Röntgenaufnahmen, Ultraschall oder andere Bildgebungsverfahren werden dann Veränderungen sichtbar gemacht, die es zu erkennen gilt. Darüber hinaus bleibt Tierärzten und Tierheilpraktikern nur, das Verhalten der Tiere genau zu kennen und Unterschiede sofort wahrzunehmen. Wie hat sich die Körpersprache des Tieres verändert? Welche Laute gibt es von sich und gibt es sonstige Verhaltensauffälligkeiten? Diese und andere Dinge werden als Indikatoren zur Diagnoseerstellung mit herangezogen. Das Grundstudium ist demnach dazu da, alle notwendigen Kenntnisse aus der Veterinärmedizin und aus der Biologie zu vermitteln.


Ablauf des Aufbaustudiums am Tier


Nachdem die Grundlagen erlernt wurden, geht es weiter mit dem Aufbaustudium. Hier lernt der angehende Tierheilpraktiker am Tier in der Praxis, was seine späteren Aufgaben sind. Er lernt das tierspezifische Verhalten kennen, bekommt Diagnosemethoden gezeigt, lernt Praxisabläufe kennen und führt Anamnesen mit den Tierbesitzern durch – kurz: Er lernt alles, was er für die spätere Praxis benötigt. Dabei beschränkt sich die Ausbildung am Tier auf diejenigen Tierarten, für die zuvor eine Spezialisierungsauswahl getroffen wurde. Somit wird ein „Overflow“ an nicht benötigten Informationen vermieden und eine intensive Ausbildung in der Tierart garantiert, mit der man später auch tatsächlich arbeiten möchte. Manche Schulen bieten nur bis zu zwei wählbare Tierarten an, andere bis zu vier. Es ist gut, wenn man sich genau festlegt, auf welche Tiere man sich später spezialisieren will. Dabei spielen nicht nur die Affinität eine große Rolle, sondern durchaus auch marktwirtschaftliche Überlegungen: Gibt es beispielsweise schon viele Tierheilpraktiker in der Umgebung, die sich auf Hunde und Katzen spezialisiert haben, stellt sich die Frage, ob es nicht Sinn macht, eine noch unbesetzte regionale Nische abzudecken und sich auf Pferde und Nagetiere zu spezialisieren. Ansonsten hat man später mit zu viel Konkurrenzdruck zu kämpfen, während man in einer anderen Nische vielleicht viel Zulauf bekommen könnte.


Vorgehensweise beim Fernstudium


Auch das Fernstudium zum Tierheilpraktiker ist ähnlich aufgebaut wie an den Präsenzschulen. Zuerst werden die Grundlagen aus Veterinärmedizin zu Tieranatomie und –physiologie vermittelt. Meistens nehmen Fernlehrinstitute in ihre Grundlagenvermittlung auch noch einen grundlegenden Überblick über die Naturheilverfahren mit auf. Allerdings lernt man nicht alle veterinärmedizinischen Wissensgrundlagen in einem ersten Teil an den sich später pathologische und diagnostische Kompetenzen anschließen.  Die Abschnitte zum Nervensystem, zum endokrinen System, zur Haut und zu den Organen schließen sich in der Regel an, wenn die anatomischen Grundlagen bereits durch einen Zwischentest gefestigt sind.

Vielmehr geht das Fernstudium eher von „außen nach innen“ vor, d. h., im ersten Abschnitt werden Kenntnisse der äußeren Anatomie und Physiologie vermittelt und im zweiten Abschnitt geht es in die inneren Bereiche zum Nervensystem, zum Drüsensystem, zur Haut und zu den Geschlechtsorganen. Auch dieser Abschnitt schließt mit einem Zwischentest ab. Im dritten und letzten Teil schließen sich dann Gesetzeskunde, Hygienekunde, Berufsverordnungen etc. an. Zum Abschluss gibt es eine Abschlussprüfung, die Voraussetzung für das Zertifikat „Tierheilpraktikerin/Tierheilpraktiker“ ist. Wer sich nun fragt, wie der Studierende an die notwendigen Praxiserfahrungen kommt, so sind einige Praxisseminare, die vom Fernlehrinstitut durchgeführt werden, Pflicht und man sollte bereit sein, in Tierheilpraxen vor Ort ein Praktikum zu absolvieren. Somit stellt auch ein Fernstudium sicher, dass man zu seiner praktischen Ausbildung kommt, ohne die es für angehende Tierheilpraktiker nicht geht.


Anmeldung zur Prüfung


Normalerweise könnte dieser Punkt beim Tierheilpraktiker übersprungen werden, da es keine amtsärztliche Überprüfung der Fachkenntnisse als Grundvoraussetzung zur späteren Berufsausübung gibt. Trotzdem kommen auch angehende Tierheilpraktiker nicht ganz ohne Prüfung aus – zumindest dann nicht, wenn sie sich einem der Verbände anschließen wollen. In der Kooperation deutscher Tierheilpraktiker Verbände e.V. haben sich einige Verbände für Tierheilpraktiker zusammengeschlossen. Jeder der dieser Kooperation angeschlossenen Verbände aber auch andere Verbände verlangen eine umfassende Kenntnisüberprüfung, die vom Umfang und Ablauf her den Prüfungen der Gesundheitsämter für angehende Humanheilpraktiker oder Heilpraktiker für Psychotherapie vergleichbar sind. Absolviert man seine Ausbildung über eine der großen Tierheilpraktikerschulen, schließt diese Ausbildung in der Regel sowieso die Verbandsprüfung mit ein. Bei einem Fernstudium muss man sich über den jeweiligen Verband oder die Kooperation deutscher Tierheilpraktiker Verbände e.V. selbstständig zur Prüfung anmelden. Zu welchen Terminen das möglich ist, darüber geben die einzelnen Verbände Auskunft.


Zusammenfassung:


•    Im Grundstudium lernt der angehende Tierheilpraktiker alle veterinärmedizinischen und biologischen Grundlagen zur Tieranatomie, -physiologie, zu Naturheilverfahren und zu pathologischen Zuständen des tierischen Körpers. Daneben lernt er, die Diagnoseerstellung und die gründliche Anamnese durch Befragung der Tierbesitzer und durch Beobachtung von Veränderungen im Tierverhalten.
•    Das Aufbaustudium führt hin zu vertieften Kenntnissen und zur Praxis am Tier; daneben gibt es Einführungen in die Gesetzesgrundlagen und Tipps zur Existenzgründung.
•    Das Fernstudium ist inhaltlich ähnlich aufgebaut wie das Präsenzstudium; auch beim Fernstudium gibt es Praxisseminare.
•    Eine veterinäramtliche Prüfung als Zulassungsvoraussetzung gibt es für Tierheilpraktiker nicht. Allerdings gibt es verpflichtende Fachprüfungen, wenn man sich in einem Verband organisieren möchte.