Der Alltag als Heilpraktiker für Psychotherapie

In erster Linie darf man auch bei diesem Punkt auf den (Voll-)Heilpraktiker verweisen: Was für ihn bezüglich des alltäglichen Praxisablaufs gilt, lässt sich auch analog als Maßstab für Heilpraktiker für Psychotherapie anwenden. Auch der Heilpraktiker für Psychotherapie geht systematisch nach den Punkten Erstanamnese – Diagnostik – Therapie vor.
Die Erstanamnese beim Heilpraktiker für Psychotherapie

Jede therapeutische Beziehung zwischen dem Heilpraktiker für Psychotherapie und seinem Klienten beginnt mit der Erstanamnese, dem Kennenlern- oder sogenannten Vorgespräch. Wie kaum bei einer anderen Beziehung zu einem Heilpraktiker kommt es im Bereich der Psychotherapie vor allem darauf an, dass „die Chemie stimmt“. Natürlich möchte der Heilpraktiker seinen Klienten im Erstgespräch ebenfalls kennenlernen und vieles über dessen Lebensumstände erfahren, denn diese Informationen sind später wichtig für die erfolgreiche Durchführung der richtigen Therapiemethode.

Umgekehrt ist es allerdings ebenso wichtig, dass der Klient mit dem Heilpraktiker klarkommt, denn er wird es später sein, der ihn intensiv psychotherapeutisch betreut. Daneben ist es auch wichtig abzuklären, ob der Heilpraktiker für Psychotherapie für die spezielle Klienten-Problematik überhaupt zuständig ist: Nicht jeder HP für Psychotherapie bietet alle therapeutischen Verfahren aus dem großen Pool der Methoden an, sondern er spezialisiert sich auf einige wenige Psychotherapieverfahren. Ob diese ambulanten Therapieverfahren wirklich infrage kommen oder ob der Klient nicht besser stationär zu behandeln bzw. an einen anderen Psychotherapeuten zu empfehlen ist, kann bereits im Erstgespräch abgeklärt werden.

Das Diagnosegespräch beim Heilpraktiker für Psychotherapie

Bevor eine Therapie angewandt werden kann, muss zunächst abgeklärt werden, welche seelischen Beschwerden der Klient hat. Nicht jede Therapieform ist für jedes Beschwerdebild gleichermaßen angeraten. Im Diagnosegespräch versucht der Heilpraktiker für Psychotherapie herauszufinden, ob der Betroffene an einer klassischen reaktiven Depression oder einem Burn-out erkrankt ist oder ob es sich um posttraumatische Belastungsstörungen bzw. um andere schwerwiegende seelische Erkrankungen wie selbstverletzendes Verhalten oder ein Borderline Syndrom handelt. Vielleicht ist derjenige auch nur temporär einer belastenden Situation ausgesetzt, wie zum Beispiel Mobbing am Arbeitsplatz, und sucht nach einem Ausweg. Seelische Erkrankungen gibt es sehr viele und sie sind sehr unterschiedlich.

In einigen Fällen helfen Gesprächstherapien, in anderen tiefenpsychologische Maßnahmen oder Hypnose oder eine ausgewählte Mischung verschiedener Therapiemethoden. Welche Methode angewandt werden soll, wird in einer gründlichen Diagnosesetzung abgeklärt. Hier lernt der Heilpraktiker seinen Klienten genau kennen. Dabei kann der Klient ausführliche Fragebogen ausfüllen, ein intensives Diagnosegespräch führen oder über andere kreative Methoden Aufschluss über sein seelisches Befinden und dessen mögliche Ursachen geben.


Die Psychotherapie beim Heilpraktiker


Wenn die Therapiephase einsetzt, wird der Heilpraktiker für Psychotherapie sich in der Regel auf eine psychotherapeutische Methode beschränken, die er mit dem Klienten gemeinsam durchführt. Welche der vielen unterschiedlichen Methoden zum Einsatz kommt, hängt zum einen von der Spezialisierung des Heilpraktikers und zum anderen von der Art der seelischen Erkrankung ab. Therapiesitzungen dauern in den meisten Fällen eine Zeitstunde (manche bieten auch eine 45-minütige Schulstunde an). In diesem Zeitraum darf der Heilpraktiker durch nichts gestört werden. Telefonate sind – falls vorhanden – durch Mitarbeiter des Sekretariats zu bearbeiten, auch Zwischenfragen durch Personal sollten vermieden werden. Wer nicht über Mitarbeiter verfügt, legt seine Therapiestunden gerne außerhalb der allgemeinen Sprechzeiten, damit der Anrufbeantworter das Telefon übernehmen kann und der Heilpraktiker uneingeschränkt Zeit für seinen Klienten hat.

Das bedeutet für die meisten Therapeuten, dass sie mit sehr langen Arbeitstagen rechnen können: morgens allgemeine und administrative Tätigkeiten, mit Beginn der allgemeinen Sprechzeiten auch Klientenverkehr für Anamnese- und Diagnosegespräche und nach Geschäftsschluss erst die Therapiesitzungen. 12 bis 16 Stunden Arbeitszeit sind bei diesem Beruf keine Seltenheit, werden von den Heilpraktikern selbst aber kaum als Belastung empfunden, weil sie ihre Arbeit als Berufung ansehen. Am Ende einer Therapie wird nochmals ein Abschlussgespräch durchgeführt, in dem abgeklärt wird, ob die Psychotherapie die erwünschte Wirkung gebracht hat bzw. wie der Klient sich jetzt nach den Sitzungen fühlt.


Die administrativen Tätigkeiten – ein notwendiges Übel

Wer noch nicht über die finanziellen Mittel verfügt, sich genügend Mitarbeiter für Büro- und Organisationstätigkeiten zu leisten, wird gezwungen sein, alle administrativen und organisatorischen Dinge selbst zu erledigen. Nun wird es kaum einen Heilpraktiker geben, der das gerne tut. Man sieht es als seine Berufung an, Menschen zu heilen oder im seelischen Bereich ordentlich zu therapieren, aber doch bitte nicht, Abrechnungen zu erstellen, Termine zu planen, Telefonate zu tätigen und auch noch die Unterlagen für Bank und Finanzamt zu sortieren. Allerdings müssen diese Dinge sein.

Da psychotherapeutische Maßnahmen nach dem Heilpraktikergesetz teilweise von wenigen privaten Krankenkassen übernommen werden, muss man mit diesen professionell abrechnen. Dazu gibt es in der Regel Computerprogramme, aber diese müssen bedient werden. Auch auf Schriftverkehr kann nicht ganz verzichtet werden und eine kaufmännische Buchführung muss auch sein, soll die Praxis solide geführt werden. Administrative und kaufmännische Arbeiten werden demnach immer weit vor dem eigentlichen Sprechstundenbeginn durchgeführt, während Telefonate bei alleine arbeitenden Heilpraktikern auch zwischendurch angenommen werden müssen.


Zusammenfassung:
In diesem Punkt unterscheidet sich der Heilpraktiker für Psychotherapie in nichts vom allgemeinen (Voll-)Heilpraktiker: Wer sich als Heilpraktiker für Psychotherapie nicht sofort Angestellte für die tägliche Praxisunterstützung leisten kann, muss neben den typischen Berufsabläufen eines Heilpraktikers – also Erstanamnese und –diagnostik, Therapie und Therapiedurchsprache – noch alle kaufmännisch-administrativen Tätigkeiten selbst durchführen. Das verlängert den Praxistag erheblich, sodass ein selbstständiger Heilpraktiker nicht selten auf 10 bis 16 Stunden Arbeitszeit kommt.