Die ideale Vorbereitung zur Heilpraktikerprüfung

Die alten Römer wussten schon: „Repetitio mater studiorum est.“ Zu Deutsch heißt das: Die Wiederholung ist die Mutter aller Studien. Was man nachhaltig lernen und auch im Gedächtnis behalten möchte, muss man immer wiederholen. Aber:


Wiederholung ist nicht alles


Veraltete Lernstrategien konzentrierten sich zu sehr aufs Wiederholen, also auf das gute alte, stumpfe Pauken bzw. Auswendiglernen. Das hilft zunächst zwar, um sich eine große Menge an Fachwissen aneignen zu können, fördert aber nicht die Fähigkeit zu komplexen und kohärenten Denkstrukturen – und genau darauf kommt es in der Heilpraktikerprüfung an.


Das komplexe Fachwissen das Heilpraktikers


Vielmehr geht es beim Fachwissen für Heilpraktiker um das Erkennen von Zusammenhängen. Man muss anatomische Kenntnisse besitzen und wissen, wo welche Teile des Körpers sitzen – seien es Extremitäten des Bewegungsapparates, innere oder äußere Organe oder Zellen. Daneben aber gibt die Physiologie über die Funktionsweise und das Zusammenspiel Aufschluss. Es reicht also nicht, nur auswendig aufsagen zu können, wo zum Beispiel einzelne Muskelgruppen sitzen, man muss auch genau wissen, wozu sie dienen. Erst diese beiden Ebenen zusammen bilden die Grundlage für die Pathologie, also das Wissen von Funktionsstörungen und Erkrankungen. Das Erkennen von Zusammenhängen allerdings ergibt sich nicht aus dem reinen Auswendiglernen einzelner Anatomie- oder Physiologiegrundlagen. Es bedarf einer Lernstrategie, die sofort alles aufeinander bezieht und in Abhängigkeit voneinander stellt.


Wahrnehmungskanäle und Lerntypen – Herausfinden, wie man lernt


Mittlerweile ist es nicht nur Medizinern und Psychologen bekannt, dass der Mensch verschiedene Wahrnehmungskanäle besitzt:



•    auditiver Wahrnehmungskanal: Hierunter werden alle Reize über Schallwellen verstanden. Der Mensch erfährt seine Umwelt über die Ohren.

•    visueller Wahrnehmungskanal: Hier werden die Wahrnehmungsorgane über Lichtreize stimuliert, d. h. die Umwelt wird über die Augen verstanden.

•    kinästhetischer Wahrnehmungskanal: „Kine­“ ist ein altgriechischer Begriff, der sich mit „Bewegung“ übersetzen lässt und „aisthēsis“ bedeutet „Wahrnehmung“. Hier wird die Umwelt prinzipiell über die Bewegung verstanden, meint im Zusammenhang mit Wahrnehmungstypen aber vordergründig das Lernen über die praktische Erfahrung.

•    olfaktorischer-gustatorischer Wahrnehmungskanal: Der Komplettheit halber seien diese Begriffe kurz erklärt, für das Lernen im Hinblick auf den Heilpraktikerberuf haben sie aber eher keinen Einfluss, es sei denn, man beschäftigt sich mit der Aromatherapie oder mit Duftpomander bzw. mit dem Geschmack bestimmter Essenzen. „Olfaktorisch“ bezieht sich auf den menschlichen Geruchssinn und meint alle Erfahrungen, die wir mit der Nase machen können. „Gustatorisch“ ist das Schmecken und wird über die Zunge und über Geschmacksnerven im Gaumen geleistet.
Wenn der Mensch seine Umwelt empirisch kennenlernt und sie daraus resultierend später in Kategorien einordnet, stehen ihm verschiedene Wahrnehmungskanäle zur Verfügung, nämlich über die fünf Sinnesorgane: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. So entsteht im Menschen ein Gesamtbild von seiner Umwelt. Obwohl ein gesunder Mensch ohne Beeinträchtigungen seiner Sinnesorgane immer über alle Wahrnehmungskanäle lernt, gibt es bei den meisten Menschen verschiedene Präferenzen, wie es das Neurolinguistische Programmieren (NLP) einmal herausgefunden hat.


•    auditiver Lerntyp: Der auditive Lerntyp lernt bevorzugt rational durch das, was seine Ohren hören. Wer hier seine Lernstärken hat, kann in Seminaren und Vorlesungen hervorragend den Ausführungen des Dozenten folgen und daraus eine Menge für sich mitnehmen und behalten. Auch wenn es widersprüchlich erscheint: Zu den auditiven Lerntypen werden auch jene gerechnet, die gerne Texte lesen. Zwar kommen hier nicht die Ohren, sondern die Augen zum Einsatz, diese dienen aber nur dazu, um Sprache in ihren komplexen Zusammenhängen aufzunehmen. Tatsächlich hat das Lesen dieselbe Funktion wie das Zuhören, nur dass hier Vortragender und Wahrnehmender ein und dieselbe Person sind.


•    visueller Lerntyp: Visuelle Lerntypen tun sich äußerst schwer mit langen komplexen Texten. Sie ermüden beim Lesen langer Fachtexte oder beim Zuhören von Vorträgen schnell und brauchen – um das Gesagte/Gelesene zu verstehen – visuelle Reize wie Grafiken, Bilder oder Videos. Sie müssen sehen, was gesagt wurde.


•    kinästhetischer Lerntyp: Dem kinästhetischen Lerntyp genügt es nicht, Zusammenhänge zu hören oder zu lesen und das Ganze durch Bilder zu visualisieren. Das ist ihm alles noch zu abstrakt. Er muss es selbst erfahren. „Learning by Doing“ scheint als Motto wie für ihn geschaffen. Diese Menschen lernen am besten aus der Praxis heraus.
Wie diese einzelnen Lerntypen bevorzugt lernen, soll ein Beispiel demonstrieren:


Beispiel: Jemand möchte Tischler werden. Er besucht dazu die Berufsschule, liest Fachliteratur und arbeitet in seinem Lehrbetrieb praktisch mit. Als auditiver Lerntyp wird er alles, was in den Fachtexten steht oder was seine Lehrer vortragen, optimal aufnehmen und verarbeiten. Als visueller Typ kann er sich unter dem theoretisch Gesagten oder Gelesenen nicht viel vorstellen. Er ist abhängig von Zeichnungen und sonstigen Abbildungen. Erst diese Bilder lassen ihn verstehen, was in der Theorie gemeint ist. Dem kinästhetischen Lerntyp ist das alles noch nicht genug. Mit einem Text über die richtige Handhabung einer Kreissäge kann er gar nichts anfangen und eine Abbildung alleine genügt ihm nicht. Erst, wenn sein Meister es ihm nicht nur einmal vorgemacht, sondern ihn auch einmal sein erstes Holzstück zuschneiden lassen hat, wird er sich diese Erfahrung dauerhaft einprägen.In der Abschlussprüfung nach Kreissägen befragt, werden ihm sofort die praktischen Erfahrungen einfallen und er wird aus dem Gedächtnis heraus wiedergeben können, was er selbst erlebt hat.

Nun gibt es nicht DEN eindeutigen Lerntypen. Wir lernen immer über alle Wahrnehmungskanäle, haben aber in der Regel einen bevorzugten Wahrnehmungskanal. Hat man diesen für sich erst einmal herausgefunden, muss man eine Lernstrategie entwickeln, die den bevorzugten Lernkanal besonders oft stimuliert. Visuelle Typen müssen sich immer wieder viele Abbildungen anschauen. Eine theoretische Beschreibung, wie der menschliche Bewegungsapparat aufgebaut ist, reicht nicht. Sie brauchen die zusätzlichen optischen Reize. Visuelle Typen kommen gut mit Bildern, Powerpointpräsentationen oder Modellen klar. Dem kinästhetischen Typ hilft vielleicht zusätzlich ein Anatomiemodell, wie man es aus dem Biologieunterricht der Schulen kennt, bei dem er sämtliche Organe herausnehmen und sie später auch eigenhändig wieder an ihren richtigen Platz fügen kann.


Gehirngerechtes Lernen – beidseitige Lernstrategien


Zu wissen, welcher bevorzugte Lerntyp man ist, reicht alleine noch nicht aus, um eine effektive Lernstrategie zu entwickeln, die dafür sorgt, dass das Gelernte nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Der auditive Lerntyp lernt überwiegend über die linke Gehirnhälfte, in der das menschliche Sprachzentrum angesiedelt ist, während visuelle und kinästhetische Lerntypen vorwiegend über die rechte Gehirnhälfte, in der bildhafte Wahrnehmung und Emotionen angesiedelt sind.


Lernexperten raten immer dazu, beim Lernen beide Gehirnhälften anzusprechen und niemals nur einseitig zu lernen. Dass damit bevorzugt auditiven Lerntypen damit angeraten wird, trotzdem immer auch zusätzlich über Bilder und praktische Erfahrungen zu lernen, leuchtet durchaus ein. Umgekehrt wird aber auch visuellen und kinästhetischen Lerntypen damit implizit angeraten, niemals nur einseitig die rechte Gehirnhälfte einzusetzen, sondern auch über die linke Gehirnhälfte zu lernen – also über Lesen von Texten und Zuhören. Das Prinzip, das dem dabei zugrunde liegt, heißt Vernetzung. Einseitige Denkstrukturen – so wie das veraltete Auswendiglernen – sorgen zwar für fest angelegte, breite neuronale Bahnen im Gehirn, diese sind aber linear und verhindern das Denken in komplexen Zusammenhängen.

Besser ist es da, gleich von Anfang an neuronale Netzwerke aufzubauen und mit einem Faktor auch sofort weitere Faktoren hinzuzulernen, die für das Verstehen im Zusammenhang wichtig sind. Unter www.lehridee.de findet man eine offen zugängliche Webseite, die vorwiegend für Hochschulbesucher effektive Lernstrategien aufzeigt. Diese Datenbank bietet einen großen kostenfreien Downloadbereich mit Tipps für nachhaltiges Lernen komplexer Stoffe. Ganz besonders interessant ist die Pdf-Datei von Eva-Maria Schumacher, die 12 Tipps für gehirngerechtes Lernen gibt.


Die optimale Fachliteratur


Um Heilpraktiker zu werden, genügen der gute Wille und eine große Portion Enthusiasmus natürlich nicht. Man braucht auch eine didaktisch optimal aufbereitete Fachliteratur. Selbstverständlich versorgen einen die Heilpraktikerschulen mit Literaturempfehlungen und/oder teilen ihre eigenen Lernunterlagen aus, genauso wie die Fernlehrinstitute. Man darf dem didaktischen Know-how seiner Ausbildungsstätte vertrauen, denn meistens liegen den Unterlagen jahrelange Erfahrungen zugrunde, mit denen viele Menschen vorher schon den Beruf des Heilpraktikers erfolgreich gelernt hatten. Trotzdem schadet es nicht, sich ganz im Zuge des gehirngerechten Lernens zusätzliche Fachliteraturen zu besorgen, mit denen man obendrein lernt. Hier finden Sie eine Liste guter Fachliteraturen zum Fachwissen für Heilpraktiker, mit denen Sie Ihre Lerneffizienz noch steigern können.


Zusammenfassung:


•    Wiederholen ist zwar nützlich, damit sich etwas nachhaltig einprägt, aber Wiederholung alleine ist keine sinnvolle Lernstrategie. Das bloße Auswendiglernen von Stoffinhalten verhindert das Denken in komplexen Zusammenhängen.
•    Es gibt unterschiedliche Wahrnehmungskanäle und daraus resultierend verschiedene Lerntypen.
•    Gehirngerechtes Lernen bezieht immer beide Gehirnhälften beim Lernen mit ein. Das hilft, vernetzt zu denken und sich statt neuronaler Bahnen große Netzwerke aufzubauen.
•    Wer seinen Lerntyp ermittelt hat und gehirngerecht lernt, braucht immer noch ein Lernobjekt: die Fachliteratur. Es schadet an dieser Stelle nicht, auch in anderen als den schuleigenen Fachliteraturen zu lernen.