Finanzierung der eigenen Praxis

Der Idealfall wäre, wenn man eigene Kapitalmittel angespart hätte und seine Existenzgründung ganz hieraus finanzieren könnte. Die wenigsten verfügen allerdings darüber und müssen sich von einer Bank Kapital aufnehmen. Um den benötigten Kapitalbedarf ermitteln zu können, ist der Businessplan notwendig. In ihm werden alle realen und zu erwartenden Kosten erfasst und die tatsächlichen und erwarteten Einnahmen gegenübergestellt. An dieser Stelle ist es unverzichtbar, realistisch zu kalkulieren. Schönrechnereien bringen nicht viel und werden von Bankmitarbeitern schnell entlarvt. Im Gegensatz zum Laien verstehen sie es nämlich, Bilanzen und Businesspläne zu lesen. Eine Bank würde niemals Luftschlösser finanzieren, sondern immer nur realistische Projekte mit einer ordentlichen Gegenfinanzierung.

Wer Schwierigkeiten bei der exakten Kostenermittlung hat, aber vor dem Bankgespräch mit einem gut kalkulierten Businessplan für sich und sein Unternehmen werben möchte und auf eine Finanzierung angewiesen ist, der tut gut daran, sich hierfür professionelle Hilfe eines Unternehmensberaters zu suchen. Ein Unternehmensberater wird immer realistische Planungen dort erstellen, wo der Existenzgründer vielleicht ein wenig zu optimistisch plant.
Mit einem guten Businessplan muss man nur noch die Bank von dem eigenen Vorhaben überzeugen. Mit etwas Glück bekommt man die Finanzierung.


Staatliche Förderungen in Anspruch nehmen


•    Gründungszuschuss: Bezieher von Arbeitslosengeld I können sich auf Antrag von der Arbeitsagentur bei der Existenzgründung unterstützen lassen.  Der Gründungszuschuss setzt sich zusammen aus einem Betrag in Höhe des letzten Arbeitslosengeldes plus 300,- Euro für einen begrenzten Zeitraum. Wie lange der Gründungszuschuss gewährt wird und welche Voraussetzungen hierzu erfüllt sein müssen, ist der Informationsseite der Arbeitsagentur zu entnehmen.


•    Zuschüsse für ALG II Bezieher: Auch Bezieher von Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) können sich in bestimmten Fällen durch Zuschüsse bei der Existenzgründung unterstützen lassen, um ihrer Langzeitarbeitslosigkeit so zu entkommen. Einen Rechtsanspruch hierauf gibt es allerdings nicht, da es sich dabei um eine sogenannte „Kann-Regelung“ handelt. Ob ein Zuschuss zur Existenzgründung gewährt wird, hängt demnach vom Ermessen des jeweiligen Sachbearbeiters ab.


•    Businessplan: Um einen Gründungszuschuss oder eine andere Bezuschussung zu bekommen, muss ein professioneller Businessplan vorgelegt werden, mit dem der Sachbearbeiter von der Ernsthaftigkeit und Realisierbarkeit des Gründungsvorhabens überzeugt wird.

Zusammenfassung:


•    Die eigene Praxisgründung will in Ruhe geplant werden. Schnellschüsse in Sachen Mietverträge sind zu vermeiden, auch wenn es sich um günstige Angebote handelt.
•    Ein Businessplan sollte unbedingt erstellt werden. Vordrucke bekommt man bei den Industrie- und Handelskammern, wie zum Beispiel bei der IHK-München als kostenfreie Pdf-Vorlage zum Download.
•    Sofern der Punkt nicht schon im Businessplan enthalten ist, sollte eine gründliche Marktanalyse für den eigenen Geschäftsbereich durchgeführt werden (Angebot, Nachfrage, Wettbewerb)
•    Wer nicht ohne Finanzierung auskommt, muss umso mehr Wert auf eine gründliche Erstellung seines Businessplans legen, zur Not mit professioneller Unterstützung durch einen Unternehmensberater.
•    Bezieher von Arbeitslosengeld I haben Anspruch auf einen Gründungszuschuss und Bezieher von ALG II können sich ebenfalls bezuschussen lassen, wenn der jeweilige Sachbearbeiter nach seinem Ermessen die Existenzgründung befürwortet. Dazu ist aber ein realistisch und gründlich durchkalkulierter Businessplan notwendig.