Existenzgründung : Tipps für Heilpraktiker

 

Die amtsärztliche Prüfung zum Heilpraktiker ist überstanden und man hält das Zertifikat, das einen als Heilpraktiker oder Heilpraktikerin auszeichnet, nach einer langen und intensiven Ausbildungszeit in den Händen. Doch wie geht es nun weiter? Die wenigsten werden die Kosten in ihre Heilpraktikerausbildung investiert haben, um sich alleine das intensive Fachwissen aus purem Interesse angeeignet zu haben, ohne dieses künftig beruflich nutzen zu wollen. Der Großteil investiert in seiner Ausbildung zum Heilpraktiker, um beruflich neue Wege beschreiten zu können. An dieser Stelle tun ein paar Tipps zur Existenzgründung ganz gut. Sie ersetzen aber keinesfalls eine fachliche Beratung durch einen Unternehmensberater, Steuerberater oder andere Fachleute, die einem in Sachen Finanzierung, Businessplan und Praxisgründung mit wertvollen Ratschlägen zur Seite stehen können.


Selbstständig oder angestellt? Das ist hier die Frage!

Die erste grundlegende Frage, die sich ein frischgebackener Heilpraktiker stellen dürfte, ist, ob er sich gleich mit einer eigenen Heilpraxis selbstständig machen oder zunächst Berufserfahrung als angestellter Heilpraktiker sammeln soll. An sich ist es der Traum der meisten Heilpraktiker, eine eigene Praxis zu führen. Dieser Schritt will aber gut überlegt sein. Ob sich ein eigener Praxisbetrieb lohnt, hängt zum einen von einer gründlichen Markt- und Wettbewerbsanalyse ab und zum anderen von den eigenen finanziellen Möglichkeiten. Dazu zählt nicht nur Eigenkapital, sondern auch die Möglichkeit einer Bankfinanzierung. Könnte man überhaupt einen straffen Tilgungsplan durchhalten? Falls dieser Punkt bereits fraglich ist, bietet es sich an, zunächst als angestellter Heilpraktiker zu arbeiten und abzuwarten, bis die finanzielle Situation sich etwas entspannt.


Auch kann es durchaus Sinn machen, bereits auf ein wenig Praxiserfahrungen zurückblicken zu können, bevor man sich an eine eigene Praxis wagt. Unerfahrene Berufsanfänger haben es in der Regel schwerer, das Vertrauen von Patienten zu gewinnen als Heilpraktiker mit Berufserfahrung. Nun sind die Möglichkeiten, als angestellter Heilpraktiker zu arbeiten, nicht unbedingt zahlreich vorhanden. Viele Einzelpraxen stellen entweder überhaupt keine Mitarbeiter ein oder nur auf geringfügiger Beschäftigungsbasis. Wenn nicht gerade große Gesundheitszentren, Wellnesshotels und Kurkliniken mit einem Bedarf im Bereich der Heilpraxis vorhanden sind, bleibt einem oftmals nur die Möglichkeit, seine Berufserfahrungen stundenweise zu geringfügiger Entlohnung in einer alteingesessenen Praxis zu sammeln und seinen Lebensunterhalt mit einer anderen Hauptbeschäftigung zu verdienen.
Das wiederum wolle viele neu ausgebildete Heilpraktiker nicht.

Sie haben die Prüfung bestanden und sind begierig darauf, endlich hauptberuflich in ihrem neuen Beruf tätig zu werden. Aus diesem Grunde schon werden viele Praxen gegründet. Damit der Schritt in die Selbstständigkeit jedoch von Erfolg gekrönt ist, kommt es auf den Businessplan an.


Vor die eigene Praxis hat die Wirtschaft die Marktanalyse gesetzt!


Um erfolgreich eine eigene Praxis gründen zu können, kommt es auf verschiedene Faktoren an:


•    die Wahl des richtigen Praxis-Standortes
•    die geeigneten Räumlichkeiten
•    die Wettbewerbssituation
•    die Möglichkeit zur Spezialisierung
•    die Nachfrage bzw. der Bedarf

Es ist nicht damit getan, einfach irgendwo Praxisräume anzumieten oder gleich zu kaufen und sich darin als Heilpraktiker selbstständig zu machen. Man sollte sich seinen künftigen Praxisstandort genau aussuchen. Die nachfolgende Grafik gibt einige Tipps dazu, worauf man bei der Standortwahl achten sollte:


 

Hat man endlich den idealen Standort für eine erfolgreiche Praxisgründung gefunden, geht es um die Frage der geeigneten Räumlichkeiten. Folgende Kriterien muss eine Heilpraxis räumlich erfüllen, damit sie von den Behörden genehmigt wird:

 

 

Ein Bild verdeutlicht das Ganze:


Bedarf, Nachfrage, Wettbewerb und Spezialisierung


Dass eine gründliche Analyse das Marktes wichtig ist, wurde hier bereits mehrfach erwähnt. Was gilt es hier aber genau zu analysieren?


•    Bedarf und Nachfrage: Bevor sich ein Heilpraktiker mit einer eigenen Praxis selbstständig macht, sollte er genau wissen, ob an dem favorisierten Standort überhaupt ein Bedarf nach einer Heilpraxis mit alternativen Heilangeboten besteht. Das hängt zum großen Teil von der Einstellung der Menschen ab. Gerade in sehr konservativen Gegenden könnten skeptische Vorbehalte gegen einen Heilpraktiker bestehen, die einen erfolgreichen Praxisstart erschweren würden. In sehr ländlichen Regionen mit geringer Einwohnerdichte kann der Heilpraktiker eine sinnvolle Ergänzung zu dem geringen Landarztangebot sein, wenn die Vorbehalte der Menschen erst einmal überwunden sind. Man muss sich aber darauf einstellen, dass der Mensch als „Gewohnheitstier“ seine alteingesessenen Bahnen nur sehr schwer verlässt und Neues wagt. Was vor allem auch in ländlicheren Bereichen ausschlaggebend ist, ist der Kostenfaktor. Nicht alle Leitungen eines Heilpraktikers können über die Krankenkassen abgerechnet werden oder besser gesagt, nur die wenigsten lassen sich abrechnen. Der Großteil der Heilpraktikerleistungen ist privat zu bezahlen. Das könnte in manchen Gegenden auf Ablehnung stoßen. In Städten ist das potenzielle Klientel eher aufgeschlossen und offen für alternative Heilverfahren, auch wenn sie selbst bezahlt werden müssen.


•    Wettbewerb: Bedarf und Nachfrage alleine sind kein Garant für beruflichen Erfolg mit einer eigenen Heilpraxis. Es kommt auch auf den Wettbewerb an. Keine Konkurrenz muss nicht immer vorteilhaft sein, zu viel Konkurrenz in einem identischen Bereich ist es zumindest keinesfalls. Zwar belebt Konkurrenz das Geschäft, doch meint der Volksmund damit eine gesunde Konkurrenzsituation und keinen „Overflow“ an Heilpraktikern. Bevor man also seine eigene Praxis eröffnet, sollte genau analysiert werden, wie viele Heilpraktiker bereits vor Ort sind und wie die Ärztesituation aussieht. Ist davon auszugehen, dass man sich in einem gesunden Konkurrenzumfeld ohne Gefahr einer Überdichtung befindet, dann kann man sich ohne Bedenken mit einem eigenen Praxisbetrieb selbstständig machen.


•    Spezialisierung: Tritt der Fall ein, dass zu viele Heilpraktiker mit ihren Praxen in einem bestimmten Radius aufeinandertreffen würden, muss man seinen Traum von der Selbstständigkeit noch lange nicht aufgeben. Man kann sich das Angebot seiner Mitbewerber ansehen und sich überlegen, ob man das Heilpraktikerangebot nicht um ein nicht so gängiges Naturheilverfahren ergänzt und sich darauf spezialisiert. Als Heilpraktiker hat man ja auch alle allgemeinüblichen Naturheilverfahren im Angebot, kann durch die Spezialisierung aber noch zusätzlich eine bislang unbesetzte regionale Nische ausfüllen. Damit etabliert man sich als Experte in einem Spezialbereich und erhöht seine Chancen auf Zulauf.


Zusammenfassung:


•    Vor der Existenzgründung als Heilpraktiker sollte man sich ganz ernsthaft die Frage stellen, ob man wirklich direkt selbstständig tätig sein möchte, oder ob es nicht angeraten wäre, zunächst ein paar Berufserfahrungen haupt- oder nebenberuflich im Angestelltenverhältnis zu sammeln.


•    Eine genaue Marktanalyse ist unverzichtbar. Sie bringt zutage, wo und in welchem Umfang man sich am besten niederlässt und welche Räumlichkeiten für einen Praxisbetrieb geeignet sind. Will man mieten oder besitzt man bereits ein eigenes Haus, das Platz für eine Praxis bietet?


Man muss wissen, mit welcher Konkurrenz man es zu tun haben wird und ob für das Heilpraxisangebot überhaupt eine Nachfrage besteht. Möglicherweise macht es Sinn, sich in einer noch unbesetzten Nische zu spezialisieren.