Geschichte des Berufes des Heilpraktikers für Psychotherapie

Die geschichtliche Entwicklung des Berufs „Heilpraktiker für Psychotherapie“ sollte immer im Kontext mit der historischen Entwicklung der Psychotherapie allgemein gesehen werden. Der rechtliche Schutz der Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ und damit die Abgrenzung zum Heilpraktiker für Psychotherapie gibt es erst mit dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG), dessen letztgültige Fassung aus dem Jahr 1998 stammt. Die Psychotherapie selbst gibt es allerdings schon wesentlich länger.
„Psychotherapie“ in der menschlichen Vergangenheit (vor Freud)


Im Markusevangelium Vers 21-28 ist nachzulesen, wie Jesus in einer Synagoge einen Mann von seinem „unreinen Geist befreite“. Diese Stelle des Neuen Testaments soll stellvertretend dafür stehen, wie man seinerzeit – insbesondere in der Antike – nicht nur bei den frühen Christen, sondern in allen Kulturen mit psychischen Problemen umging: Man hielt sie für externe Dämonen, die sich des Verstandes eines Menschen bemächtigt hatten. So machten sich Jesus, später christliche Priester, aber auch Schamanen und Priester anderer Religionen daran, aus den Fugen geratene Menschen zu kurieren, indem sie einfach die „Dämonen“ austrieben.

Teufels- und Dämonenglaube beherrschten auch das Mittelalter.


Neben diesen religiösen Ansichten über den Menschen und wie er zu funktionieren habe, gab es auch eine rein wissenschaftliche, vernunftbetonte Sichtweise. So wurde menschliches Verhalten eingeordnet in die Vernunftkategorien und was der allgemeinen Vorstellung von Vernunft widersprach, galt als wahnsinnig bzw. geisteskrank. Damit war der „Wahnsinnige“ ein Fall für das „Irrenhaus“, wo er im 17. und 18. Jahrhundert einfach nur weggesperrt wurde. „Irre“ wurden nicht selten an die Kette gelegt, mit Schlägen traktiert und unter unwürdigsten Bedingungen gefangen gehalten, wo sie langsam dahin siechten.


Der französische Arzt Philippe Pinel führte erstmals eine Änderung in der Denkrichtung herbei: Er sah psychisch-geistige Störungen als Krankheit und nicht als „Verbrechen gegen die Gesellschaft“ an und begründete damit die moderne Psychiatrie. Kranke sind demnach nicht mehr voll für ihr Verhalten verantwortlich und zu bestrafen bzw. „irre“ im Sinne von völlig dem Normativen zuwider laufend und deshalb anzuketten, sondern zu behandeln. Pinel verstarb 1826 mit 81 Jahren in Paris. Der Anfang war gemacht und der Weg für weitere wissenschaftliche Forschungen bereitet.


Der Beginn der Psychotherapie mit Sigmund Freud


Alles begann mit der Entdeckung des Unbewussten, das Freud zwar nicht vollständig zuzuschreiben ist, sondern auf den französischen Psychiater Pierre Janet zurückgeht, von Freud aber aufgegriffen und ausführlich thematisiert wurde. Mit der Erkenntnis, dass es eine Bewusstseinsschicht gibt, auf die der rationale Verstand keinen direkten Zugriff hat, die den Menschen und sein Verhalten aber dennoch nachhaltig beeinflusst, war der Grundstein für ein therapeutisches Verfahren im psychischen Bereich gelegt: die Psychotherapie. Sigmund Freud und seine Kollegen Alfred Adler sowie C.G. Jung entwickelten sich leicht unterscheidende Verfahren der Psychoanalyse, die als Basis für spätere Psychotherapien angesehen werden kann. Erst die Trennung von Ratio und einen (nichtreligiösen) seelischen Bereich, der Psyche, bildete die Grundlage für alle nachfolgenden ausgefeilten Methoden der Psychotherapie.


Die Erlaubnis zur Durchführung der Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz


Aus den verschiedenen psychotherapeutischen Methoden hat sich im Laufe der Jahre der gesetzlich geschützte Berufsstand der Psychotherapeuten entwickelt. Demnach sind nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) nur Ärzte und Diplom Psychologen berechtigt als Psychotherapeuten zu arbeiten und diese Berufsbezeichnung zu tragen, wenn sie eine dreijährige Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten absolviert haben. Seit den frühen 1990er Jahren lässt allerdings das Heilpraktikergesetz (HPG) eine Ausnahme zu, nach der auch Heilpraktiker bzw. Heilpraktiker für Psychotherapie zur Ausübung der Psychotherapie berechtigt sind, ohne jedoch die vollständige Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ verwenden zu dürfen. Das Heilpraktikergesetz regelt demnach seit 1993, dass Heilpraktiker psychotherapeutische Verfahren anwenden, sich aber lediglich als Heilpraktiker, die ebenfalls auch Psychotherapie durchführen, bezeichnen dürfen