Berufsbild – Heilpraktiker für Psychotherapie

Seitdem Sigmund Freud das Psychische im Menschen als eigenständigen, störungsanfälligen Bereich in der Medizin etabliert hatte, weiß man, dass der Mensch nicht nur körperlich, sondern auch seelisch erkranken kann. Für die Therapie seelischer Störungen gibt es verschiedene Verfahren, die unter anderem auch tiefenpsychologisch wirken und dort nachhaltig in das seelische Gleichgewicht des Menschen eingreifen. Unqualifizierte Eingriffe in die menschliche Psyche könnten verheerende Auswirkungen haben, weshalb die Durchführung einer Psychotherapie nur einer stark eingeschränkten, hoch qualifizierten Berufsgruppe gestattet ist.


Psychotherapie – Ihre Ausübung ist nur wenigen gestattet


Die Psychotherapie ist ein äußerst sensibles Berufsfeld, das nur ganz wenige Berufsgruppen zulässt. Im Psychotherapeutengesetz (PsychThG) ist klar geregelt, wer überhaupt als Psychotherapeut tätig sein darf. Demnach ist die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ gesetzlich geschützt und darf nur von Ärzten und ausgebildeten Psychologen geführt werden, wenn sie eine psychotherapeutische Zusatzausbildung absolviert haben. Andere Berufsgruppen als Ärzte und Psychologen dürfen sich nicht „Psychotherapeut“ nennen. Nur Ärzte und Psychologen (Universitätsabschluss) erhalten nach einer psychotherapeutischen Zusatzausbildung eine Approbation (Zulassung) für ihre Berufsausübung.


Ausübung der Psychotherapie auch ohne Approbation


Allerdings gibt es für eine Berufsgruppe die Möglichkeit, auch ohne eine entsprechende Approbation Psychotherapien durchzuführen bzw. psychotherapeutische Verfahren anzuwenden: die Heilpraktiker. Wer dabei nicht die volle Heilkunde praktizieren, sondern sich ausschließlich auf die Psychotherapie beschränken möchte und dies auch glaubhaft macht, für den sieht das) ebenfalls vor, nur eine eingeschränkte Zulassung als Heilpraktiker für Psychotherapie zu erlangen.
Heilpraktiker sowie Heilpraktiker für Psychotherapie – und das ist an dieser Stelle besonders zu betonen – dürfen sich NICHT als „Psychotherapeuten“ bezeichnen, auch nicht als „Psychotherapeut (HPG)“ oder „Psychotherapeut nach dem HPG“, sondern müssen einschränkenderweise immer die Bezeichnung „Heilpraktiker für Psychotherapie“ in ihrer Berufsbezeichnung führen, damit sie sich klar von den approbierten Psychotherapeuten gemäß dem Psychotherapeutengesetz abgrenzen. Das leuchtet insofern ein, als dass ein Heilpraktiker sich ebenso wenig als „Arzt“ bezeichnen darf, sondern immer nur als „Heilpraktiker“. Im gleichen Sinne ist er KEIN Psychotherapeut, sondern ein Heilpraktiker, der sich auf die Anwendung von psychotherapeutischen Verfahren spezialisiert und dafür qualifiziert hat.


Der Heilpraktiker für Psychotherapie – ein verantwortungsvoller Beruf


Die strenge Abgrenzung zu Psychotherapeuten mit Approbation sagt nichts über die fachliche und persönliche Qualifikation eines Heilpraktikers für Psychotherapie aus. Dadurch schützt sich lediglich der Berufsstand der approbierten Psychotherapeuten. Da das Feld der seelischen Erkrankungen immer mehr an Bedeutung gewinnt und die Zahl der seelischen Störungen bislang immer größer wurde, ist auch der Bedarf an Psychotherapien so groß wie nie geworden. Durch unsachgemäße Verfahrensanwendung kann viel in der empfindlichen menschlichen Seele zerstört werden. Aus diesem Grunde ist auch die Ausbildung der Heilpraktiker auf dem Felde der Psychotherapie sehr fundiert. Immerhin erlernen Heilpraktiker für Psychotherapie tiefenpsychologische Verfahren, mit denen bis in die tieferen Schichten des Unbewussten vorgedrungen wird. Dementsprechend ist auch die Prüfung für Heilpraktiker für Psychotherapie schwierig mit einer hohen Durchfallquote behaftet.


Was ist für das Berufsbild des Heilpraktikers für Psychotherapie kennzeichnend?


Drei Dinge kennzeichnen ganz allgemein das Berufsbild des Heilpraktikers für Psychotherapie:
•    Festgesetzte rechtliche Grundlagen nach dem HPG und nach dem PsychThG
•    Eine umfassende und fundierte Ausbildung mit basispsychologischen Kenntnissen und psychotherapeutischen Verfahrensmethoden
•    Die Berufspraxis im Therapiegespräch oder als beratender Coach


Abgrenzung des Heilpraktikers für Psychotherapie zum Psychologischen Berater


Oftmals bieten Heilpraktikerverbände oder der Verband der Freien Psychotherapeuten (VFP) die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie als Ausbaustufe mit staatlicher Zulassung zum Psychologischen Berater an. Dazu ist an dieser Stelle noch ein wichtiger Unterschied anzumerken:
Der Psychologische Berater erlernt basale psychotherapeutische Kenntnisse und allgemeinpsychologische Grundlagen. Aufgrund dieser Grundlagen ist er in der Lage,
(lebens-)beratende Gespräche oder Coachings mit gesunden Menschen durchzuführen. Die Arbeit mit seelisch Erkrankten hingegen bleibt den Psychotherapeuten bzw. den Heilpraktikern für Psychotherapie vorbehalten.
 
Zusammenfassung:

•    Klare und strenge gesetzliche Regelung für die Psychotherapie (Psychotherapeutengesetz)
•    Nach dem Heilpraktikergesetz ist die Durchführung der Psychotherapie auch Heilpraktikern gestattet
•    Verbot der Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“
•    Einzig erlaubte Berufsbezeichnung: Heilpraktiker für Psychotherapie
•    Wer ausschließlich Psychotherapie ohne Ausübung der Heilkunde durchführen möchte, kann die Zulassung zum Heilpraktiker für Psychotherapie beantragen
•    Der Heilpraktiker für Psychotherapie arbeitet mit gesunden und erkrankten Menschen (im Gegensatz zum Psychologischen Berater, der ausschließlich nicht-therapeutische Beratungsgespräche mit gesunden Menschen führen darf)